Gemälde von Damian Baginski: Die Verleugnung des Petrus, die Vergebung Jesu

Den Weg der Vergebung gehen

Vergebungsseminar nach Konrad Stauss — eine transformative Woche im Bergkloster Gschnon in Südtirol

Damian Baginski — „Die Verleugnung des Petrus, die Vergebung Jesu"

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Vergebung als Weg der Befreiung

Siebenundsiebzigmal sollen wir nach Jesus vergeben (Mt 18,21-22) — eine Unendlichkeit, die uns zunächst meist überfordert und irritiert oder gar provoziert, aber letztlich in die Freiheit führt.

Vergebung bedeutet keineswegs, Taten zu entschuldigen, zu relativieren oder zwingend eine Versöhnung anzustreben. Es geht auch keinesfalls darum, eine gesunde innere und äußere Abgrenzung in Frage zu stellen. Vielmehr setzen wir dort an, wo die Last der Nichtvergebung das eigene Leben schwer macht. Viele Menschen leiden unter einer inneren Verhärtung, einem Groll oder einem Hass, den sie jahrelang mit sich herumtragen und der letztlich die eigene Liebesfähigkeit beeinträchtigt.

Es geht beim Vergebungsprozess nicht darum, die andere Person real zu verändern, sondern die innere Erfahrung — genauer gesagt die innere Täter-Opfer-Beziehung — heilend zu verändern, um sich von der innerpsychischen Last der Nichtvergebung zu befreien. Dies kann dann eine gute Voraussetzung für einen Versöhnungsprozess mit der realen Person sein, falls dieser von beiden Seiten gewünscht wird und auch eine Bereitschaft zur Reue und zur Wiedergutmachung vorhanden ist.

In seinen letzten Worten am Kreuz – ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun' – markiert Jesus den Kulminationspunkt einer Botschaft, die er uns bis zuletzt radikal vorlebte: Vergebung nicht bloß als Geste, sondern als existenziellen Seinszustand. Es ist der ultimative, in tiefstem Leid erbrachte Beweis dafür, dass letztlich nichts anderes neben der Liebe Gottes Bestand hat. In dieser Gewissheit löst sich jede Furcht auf und macht uns jene unerschütterliche innere Freiheit, unsere wahre Würde und die unverlierbare Fülle unseres Seins bewusst.

Die Grundlage unserer Arbeit

Unser Seminar basiert auf der Vergebungsarbeit nach Dr. Konrad Stauss (1943–2016), wie sie in seinem Buch „Die heilende Kraft der Vergebung" dargelegt ist. Dr. Stauss war ärztlicher Psychotherapeut und langjähriger ärztlicher Direktor der psychosomatischen Klinik in Bad Grönenbach. Zeitlebens war er an der spirituellen Dimension der Psyche interessiert, bemühte sich aber stets um eine solide wissenschaftliche Fundierung psychotherapeutischen Arbeitens.

Dr. Konrad Stauss

In seinem Werk verflocht er auf Basis jahrzehntelanger Erfahrung tiefenpsychologische Erkenntnisse und Methoden mit der Ressource der spirituellen Dimension zu einem mehrschrittigen spirituell-therapeutischen Vergebungsprozess. Wichtig war ihm dabei, kein spirituelles Bypassing zu betreiben — also nicht zu versuchen, durch Vergebung die emotional schmerzhafte Auseinandersetzung mit einer Verletzung zu vermeiden.

2011 absolvierten wir gemeinsam eine Weiterbildung bei Dr. Stauss. In den darauffolgenden zehn Jahren, in denen wir Vergebungsseminare im Kloster Stühlingen anboten, durften wir immer wieder erleben, wie tragfähig der von ihm entwickelte Vergebungsprozess ist — mit einem haltgebenden Rahmen und stimmig ineinander greifenden Schritten, die einen tiefen psychologisch-spirituellen Prozess ermöglichen.

Dr. Stauss stellte seine Vergebungsarbeit in einem Artikel 2014 sehr schön zusammengefasst dar: „Wege der Vergebung und Versöhnung" (PDF)

Unser Seminar bietet einen geschützten Raum für maximal zehn Teilnehmende, um diese Last loszulassen und wieder in eine liebevolle Verbindung mit sich selbst und dem Leben zu finden.

Unser ganzheitlicher Ansatz

Viele Menschen suchen nach Angeboten, die Psychotherapie und Spiritualität authentisch und erfahrbar zusammenbringen — der Vergebungsarbeit gelingt dieser Brückenschlag auf ganz natürliche Weise.

Psychotherapeutisch fundiert

Wir arbeiten mit Ihrem Vergebungsthema auf der Grundlage empirisch bewährter und wissenschaftlich fundierter psychotherapeutischer Methoden, damit die emotionale Auseinandersetzung nicht umgangen, sondern wirklich durchlebt wird.

Christliches Menschenbild

Unsere Arbeit wurzelt im christlichen Menschenbild der Nächsten- und Gottesliebe. Gemeinsame Gebetszeiten und geistliche Impulse begleiten den Prozess. Das Seminar steht allen Menschen offen, die eine spirituelle Offenheit mitbringen — sowohl kirchennahe als auch kirchenferne Menschen sind herzlich willkommen.

Klösterliches Leben

Neben den intensiven täglichen Kurseinheiten von insgesamt ca. vier Stunden sind andere Elemente wie gemeinsames Kochen und Arbeiten im Haus und im Garten sowie Wanderungen in der Natur und gemeinsame Gebetszeiten wohltuend, um die Erfahrungen gut verarbeiten zu können.

„Vergeben ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil."

Martin Luther King

Ihre Begleitung

Wir vereinen als Team psychotherapeutische und seelsorgerische Fähigkeiten — eine Kombination, die nur selten zu finden ist und den Teilnehmenden eine spirituell-therapeutische Begleitung auf hohem Niveau ermöglicht.

Mario Häring – Diplompsychologe und Seminarleiter

Mario Häring

Diplompsychologe · Psychoanalytiker · Logotherapeut

Mario Häring ist approbierter Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Memmingen. Er bringt seine Expertise in tiefenpsychologischen Verfahren sowie Weiterbildungen in Logotherapie, Somatic Experiencing und ISTDP ein.

Seit dem frühen Erwachsenenalter fühlt er sich von den mystischen Traditionen der Weltreligionen und deren universellen Wahrheiten angezogen. Er praktizierte buddhistische Zen-Meditation und christliche Kontemplation, wobei vor allem tiefe Erfahrungen im Herzensgebet in seinen frühen Zwanzigern eine besondere innere Verbindung zu Jesus als Verkörperung einer bedingungslosen göttlichen Liebe begründeten. Er absolvierte zusammen mit Bruder Laurentius 2011 eine Fortbildung in Vergebungsarbeit bei Dr. Konrad Stauss.

Artikel zur Festschrift Kloster Stühlingen (PDF)
Bruder Laurentius – Kapuzinerpater und geistlicher Begleiter

Bruder Laurentius

Kapuziner · Priester · Geistlicher Begleiter

Bruder Laurentius ist Mitglied des Kapuzinerordens, Priester und erfahrener Seelsorger. Seit 35 Jahren ist er als seelsorgerlicher Berater und Supervisor tätig. Er verfügt über eine mehrjährige Ausbildung in beratender Seelsorge (Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie, DGfP), die die Beratung von Organisationen, Teams, Gruppen und Einzelnen sowie Supervision umfasste.

Er war viele Jahre als Missionar, Ausbilder und Seelsorger in Mexiko tätig. Danach leitete er fast ein Jahrzehnt das Kloster zum Mitleben in Stühlingen. Aktuell ist er Hausoberer im Kloster der Kapuziner in Werne.

Bruder Laurentius lebt die franziskanische Spiritualität der Einfachheit und Nächstenliebe, ist offen in seinem Glauben und grenzt niemanden aus. In den Seminaren begleitet er die Teilnehmenden mit geistlichen Impulsen, Gebetszeiten und Gottesdiensten — stets mit viel Humor und Herzlichkeit.

Von Sonntag bis Samstag

Der Ablauf der Woche

Seminar-Details

Ort

Kapuzinerkloster Gschnon Südtirol, Italien

Datum

04. Juli – 10. Juli 2027 (Sonntag bis Samstag)

Teilnehmer

Maximal 10 Personen für intensive Begleitung

Kosten

600 Euro inkl. Unterkunft und Verpflegung

Das nur im Sommer geöffnete Selbstversorgerhaus im Kapuzinerkloster Gschnon bietet uns einen ganz besonderen Rahmen: Während unserer Seminarwoche bewohnen und betreiben wir das Kloster als Gruppe vollkommen eigenständig. In schlichten Einzelzimmern und durch die gemeinsame Zubereitung hochwertiger vegetarischer Kost pflegen wir ein einfaches, gemeinschaftliches Leben, das den inneren Prozess bewusst unterstützt.

Wir haben uns dabei ganz bewusst gegen ein kostspieliges Seminarhaus entschieden, um die Teilnahmegebühren niedrig zu halten und so möglichst vielen Interessierten den Zugang zu ermöglichen. Über die Kostenersparnis hinaus sind wir fest davon überzeugt, dass gerade die Schlichtheit der Unterkunft und das aktive Miteinander im Alltag den persönlichen Entwicklungsprozess wesentlich tiefer und nachhaltiger fördern als der Komfort eines herkömmlichen Hotelbetriebs.

Täglich finden Kurseinheiten von jeweils ca. zwei Stunden am Vor- und Nachmittag statt. Angelehnt an den altbewährten Rhythmus des klösterlichen Stundengebets trifft sich die Gruppe zu gemeinsamen Gebetszeiten am Morgen, Mittag, Abend und vor dem Zubettgehen. Diese beinhalten auch Phasen stiller, angeleiteter Kontemplation — teilweise begleitet von spiritueller Musik. Zudem feiern wir Gottesdienste miteinander, die das Thema Vergebung in ihrer Ausgestaltung aufgreifen. Die Gebetszeiten und Gottesdienste sind so gestaltet, dass sie auch kirchenferne Menschen ansprechen. Dazu verwenden wir Gebete und Texte, die einen nichtdogmatischen Zugang zum christlichen Glauben ermöglichen und auf die universelle Wahrheit der Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe abzielen.

Interesse geweckt?

Im Vorfeld des Seminars klären wir mit allen Interessenten ab, ob das Seminar für die jeweilige Person mit ihrem Vergebungsanliegen geeignet ist.

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